Laudatio zu “Humans Nature?”

2. Platz: Humans Nature?

Laudator Herbert Heinzelmann

„Humans Nature?“ ist ein Videoclip zu Josh Woodwards Song „I want to destroy something beautiful“. Er ist gebaut nach der Ästhetik von Videoclips, übernimmt beispielsweise die Veränderungen des musikalischen Geschehens in die Montage. Woodwards Song ist ein sehr ambivalentes Liebeslied zwischen Bedrohung und Verehrung und eigentlich keine ökologische Hymne. Es ist allerdings die Qualität des Films von Markus Hassel, Stephan Körner und Carolin Langer, dass er diese Ambivalenz in sein Bildprogramm übernimmt, keine eindeutige und einseitige Botschaft übermittelt, sondern den Betrachter durch die offene Form zu eigener Reflektion herausfordert.

„Humans Nature?“ stellt zwei Aspekte von Natur einander gegenüber, zum einen die außerhumane Natur, also Tiere, Gebirge, Wasser, Himmel, zum anderen die menschliche, die hauptsächlich – aber nicht ausschließlich – als Technik erscheint. Sie wird als Werkzeug, Waffe oder Fahrzeug gezeigt. Mit diesen Produkten der Technik greift der Mensch in die außerhumane Natur ein. Ziemlich am Ende des Films erscheint als Zeichenkürzel für das Resultat solcher Eingriffe ein Stapel geschnittenes Holz – Signal für Vorratshaltung und damit für Zivilisation.

Im Gegensatz zu mancher anderen Einsendung des Wettbewerbs arbeitet „Human Nature?“ nicht mit den Mitteln von Polemik oder Propaganda. Menschliche und außerhumane Natur werden medial identisch dargestellt, filmisch durch Lichtführung, Einstellungsgröße und Montagerhythmus in gleicher Weise eher verklärt als realistisch wiedergegeben. Das zeugt vom Respekt der Filmmacher gegenüber beiden Naturen. Außerdem wird der Mensch nicht nur durch seine Technik repräsentiert. Höhepunkt der Ambivalenz des Films ist vielmehr die Einstellung, in der sich eine menschliche Hand um einen Frosch schließt – um ihn zu schützen oder um ihn zu zerquetschen?

„Destruction and creation are the same thing after all“ heißt es in Josh Woodwards Song. “Humans Nature?” ist preiswürdig, weil der Film überzeugend auf dieser Scheidelinie tanzt.